Sechswochenamt: ein Kinofilm
Shownotes
„Sechswochenamt“, so heißt der neue Kinofilm (18.06.2026) von Jaqueline Jansen.
Lore ist 25 als ihre Mutter stirbt. Sie fühlt sich mit der Organisation der Beerdigung und ihrer Trauer allein gelassen. Niemand in ihrer Familie gibt ihr Halt, oder Unterstützung, oder denkt und trauert wie sie. In dieser Filmbesprechung mit Autorin und Regisseurin Jaqueline Jansen wird deutlich, wie wertvoll Menschen in der Trauer sind, die einen begleiten und unterstützen. Dieser Film lehrt ein mal mehr, dass Trauer zu Isolation führen kann. Und das es wichtig einfühlsamen und emphatische Gespräche für trauernde Menschen sind: egal ob in der Familie, im Freundeskreis, im Krankenhaus, im Hospiz, oder in Bestattungshäusern.
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00:00:00: Hallo, wir sind Mächteltschröta Rupiper.
00:00:03: Und Benny Bauer-Dick und gemeinsam sind wir ...
00:00:10: Todesmutig!
00:00:19: Hallo ihr Lieben, wir begrüßen euch mal wieder zu einer sehr besonderen Podcastfolge, Todes Mutig Besonders weil wir dieses mal wieder nicht alleine sind, möchtet und ich habe eine Gästin.
00:00:31: Und besonders auch weil wir heute an insgesamt drei unterschiedlichen Orten aufzeichnen in Berlin wo unsere Gäste sitzt in Köln und ja mächtelt es gerade Zum Arbeiten und zum Urlaub machen in Italien.
00:00:46: Und ich freue mich Jacqueline, dass du eben aus Berlin dazuschaltet bist.
00:00:51: Berlin liebe ich total!
00:00:52: Ich hatte eine ganz alte Tante gehabt.
00:00:55: die war schon über achtzig als ich achtzehn war und die war so richtig richtig fit und wir haben sie dann in Berlin immer besucht.
00:01:04: Die hat da so ne Hintauswohnung gehabt.
00:01:10: Ja, ziemlich klasse für uns damals aus dem Ruhrgebiet nach Berlin hinzukommen und das einfach so als Großstadt zu erleben.
00:01:19: Genau!
00:01:19: Und von daher ist mein Herz dank Tante Trude auch in Berlin und ich freue mich dass du hier bist und dass du von deinem Film erzählst, deinen neuen Film?
00:01:35: Und wir auch davon erzählen.
00:01:38: Vielen Dank, dass ich heute hier mit euch sein darf und ich freue mich auch über sechs Wochenamt mit euch zu sprechen.
00:01:48: Ja, sechs Wochen amt das ist dein film der ja jetzt neu erschienen isst ein film der mit ganz ganz vielen hürden auch verbunden war Denn es war gar nicht so sehr klar ob du diesen film überhaupt auf die beine stellen kannst weil du sehr lange ja auch Ja fördergelder gesucht hast und viele Stellen immer gesagt haben ne wir haben kein geld dafür Weil dass natürlich auch tot und trauer.
00:02:15: Das sind Themen Gesellschaft ja doch oft immer noch so ein Tabuthema sind.
00:02:21: Es geht darum, dass eine junge Frau Mitte zwanzig ihre Mutter verliert, ihre Mutter stirbt und sich alleine fühlt.
00:02:30: mit all diesen organisatorischen Dingen die auch damit einhergehen ist es autofiktional.
00:02:36: Jacqueline warum war's dir so wichtig irgendwie diesen Film zu machen?
00:02:39: Und auch Teile deiner eigenen Geschichte in einem Film zu erzählen
00:02:44: Against all odds.
00:02:48: Ja, es war eine Reise diesen Film zu machen mit so vielen Hörden wie du's schon angesprochen hast was im Nachhinein ziemlich ähnlich war wie der Film selbst, die Geschichte des Films.
00:03:06: Neutig wurde ich da nochmal darauf angesprochen ob mir das eigentlich bewusst ist oder ob ich diese Paradele auch gesehen habe und das hab' beim Machen oder beim Fertigstellen gesehen, dass Lore sich da so durchkämpfen muss und im wahrsten Sinne des Wortes dieser Filme beginnt.
00:03:23: Und sie versucht ins Auto der verstorbenen Mutter zu steigen und die Türen sind verschlossen.
00:03:27: Sie sind vereist und sie kommt nicht rein und rüttelt und kämpft wieder reinzukommen und steigt am Ende durch den Kofferraum in dieses Auto Wenn man so möchte, könnte man das?
00:03:41: oder kann ich das?
00:03:42: oder sehe ich das in dieser Herstellung des Films.
00:03:45: Das war es genauso.
00:03:46: wir haben versucht Förderungen im klassischen Sinne aufzustellen also Filmförderungen und Es hat nicht funktioniert oder es hat nicht funktionieren sollen.
00:04:00: Ich weiß nicht woran es lag.
00:04:02: Also es kann daran liegen dass diese thematiken unbequem sind Menschen sich da ungern mit befassen möchten.
00:04:11: Ich hoffe aber, dass in den Förderinstitutionen das nicht der einzige Grund war warum dieses Projekt abgelehnt wurde und ich bin dann vielleicht eher auch einen anderen Weg gegangen indem ich ja selber Finanzierungspartnerin aufgestellt habe und es war wahnsinnig mühsam sehr kleinteilig diese Arbeit, Menschen erst mal ausfindig zu machen.
00:04:39: Wer könnte passen?
00:04:42: Wen kann ich für dieses Projekt gewinnen?
00:04:45: Aber ich war davon überzeugt dass das was ich erlebt habe und das was Ich gesehen habe und beobachtet habe als meine Mama verstorben ist Dass das etwas ist oder wo ich die nächsten Jahre ja erzählerisch mit verbringen möchte, wo ich gesagt habe.
00:05:07: Das war ein Stand ganz am Anfang.
00:05:10: Ich möchte nicht dass meine Freundinnen und Freunden deren Eltern in den nächsten hoffentlich erst zehn, zwanzig Jahren ebenfalls wahnsinnig unvorbereitet diese Situation schlittern in dem Sinne und deswegen wollte ich das sozusagen was ich im privaten erlebt habe Und ich als Filmemacherin, das wollte ich verbinden und habe eben dann angefangen diesen Film zu denken, zu schreiben, zu finanzieren.
00:05:43: Und wurde bei jedem Schritt den ich gegangen bin Richtung Realisierung darin bestärkt also in jedem Kontakt, den ich mit Menschen hatte und von wo ich den Menschen von diesem Projekt erzählt habe.
00:05:56: was ist die Geschichte, worum geht es in diesem Film?
00:05:59: Wurde ich da drin bestärgt dass es etwas ist, was so verschleiert ist über Trauer zu sprechen und über Todesfälle zu sprechen auch Jahre später noch.
00:06:12: Dass ich gesagt habe, ich möchte diesen Schleier und wenn das nur ein bisschen ist ihn wegzuziehen, ihm wegzunehmen würde ich gerne mit diesem Film erreichen oder damit
00:06:22: einen Anstieg.
00:06:23: Und der Film handelt ja von Lore, deren Mutter stirbt?
00:06:27: im Hospizstier, wo die Laura auch dabei ist.
00:06:30: Die Laura hat ja noch Familiendummer rum, eine Schwester, die hat eine Oma, Onkel und Tante und steht dann aber später schon mit der Beerdigung, mit der Vorbereitung, mit dieser Planung auch ziemlich alleine – auch von ihrer Haltung her!
00:06:51: auch von ihrer Haltung her, so wo die Oma auf alte Rituale zurückgreifen will.
00:06:58: Also eine ordentliche Beerdigung haben möchte wie das eben auf dem Land halt so ist und da unterscheidet sich sicherlich auch nochmal Land und Stadt voneinander was bestimmt auch mit der Rolle spielt und dann bis hin zur Trauerfeier Geburtstagsfeier also.
00:07:15: im Grunde wird in den Filmen das Jahr durchgespielt Gutmerike Smeding, eine Trauerbegleiterin, die nennt das auch Schleusenzeit.
00:07:26: Die sagt von der Beerdigung als Quatsch von dem Sterben bis zur Beerdigung.
00:07:32: Bis zu Tauerfeier was sich ja bei euch oder in einem Film länger hingezogen hat weil die Beerdierung nicht nach zwei Wochen erfolgt ist sondern eben deutlich später.
00:07:44: genau und Da bin ich davon ausgegangen, als ich ihn gesehen habe, dass das deine Geschichte ist und dass deine Geschichte so ein bisschen komprimiert worden ist.
00:07:58: Damit man das auch zeitlich in den Film reinbekommt.
00:08:02: Und gerade als wir uns hier kennengelernt haben im Vorgespräch hast du gesagt meine Schwester hat angerufen.
00:08:08: oder muss ich mal nachfragen?
00:08:10: Deine Schwester versteht ihr euch denn eigentlich gut?
00:08:16: Ist sie so wie im Film?
00:08:18: Und dann hast du gelacht und hast gesagt, nein.
00:08:21: Nein, sie ist nicht so im Film aber du wolltest auch eine Form von Geschwisterbeziehung darin aufzeigen... ...und dass deine Schwester gerade ganz stolz ist, hast du gesagt bei der Trailer jetzt gerade erschienen ist.
00:08:34: Erzähl mal!
00:08:37: Ich glaube diese ganzen Figuren, das die... Das ist auch das was in den Q&A´s in den Filmengesprächen immer wieder gespiegelt wird wo Menschen sagen die Frau ist genau wie meine Oma oder die Tante und der Onkel.
00:08:50: Genauso habe ich Menschen in der Familie, und ich wollte dem Sinne eine Kernfamilie zeigen, wie sie wahrscheinlich sehr oft in anderen familiären Kontexten auch existieren könnte.
00:09:10: Ich liebe meine Oma, ich liebe meine Schwester.
00:09:13: Ich liebe meinen Papa der zum Beispiel gar nicht in diesem Film vorkommt.
00:09:16: Mein Partner, der dabei war als meiner Mama verstorben ist... ...der mich keine einzige Sekunde in diesen ersten sechs Wochen alleine gelassen hat.
00:09:25: Da sind so viele Menschen die gar nicht dem diesem Film Vorkommen und die mich durch diese Zeit getragen haben.
00:09:32: aber der Kern ist ein Gefühl wenn meine Mutter Und das ist ja auch sehr individuell, deswegen kann ich ja nur von meiner Mutter sprechen.
00:09:42: Weil es meine Mutter verstorben ist bin ich in Situationen gekommen und habe mich in einem Zustand befunden den ich A nicht kannte und B trotz dass Menschen um mich drum herum waren.
00:09:56: im physischen Sinne hab ich mich trotzdem im Inneren alleine gefühlt.
00:10:04: Ich
00:10:04: glaube, dieses Gefühl was ich in mir hatte unabhängig davon eben was im Außen tatsächlich existiert.
00:10:10: Dieses Gefühl habe ich in diesem Film mitgenommen und hab halt.
00:10:14: obwohl jetzt zum Beispiel in der Realität nicht alleine war konnte ich trotzdem das erzählen wie geht es einem Menschen?
00:10:26: Wie fühlt sich ein Mensch wo jemand stirbt den man liebt?
00:10:34: Ja.
00:10:35: Ja und was aber auch Jacqueline glaube ich dadurch im Film so deutlich wird, ist dass man sich manchmal in der Trauer – das erleben wir immer von trauernden Menschen -, dass man es sich in der Trauer eben oft alleine fühlt weil so viele Menschen überfordert sind mit der Trauhr und nicht wissen wie man mit diesen Menschen umgeht.
00:10:57: Wie man mit trauerenden Menschen um geht, was man sagt, was Im Film sind so viele Sätze von diesen Figuren und Charakteren, die uns trauen Menschen auch immer wieder Schildern.
00:11:10: Jemand sagt endlich ist sie erlöst.
00:11:11: es ist besser so.
00:11:13: Jemand anders sagt zu Lohre, lass den Kopf nicht hängen oder du musst auch langsam einen Abschluss finden.
00:11:20: Die Oma sagt im Film ich will nicht noch mal zur Verabschiedung Ich will mich nicht von meiner Tochter verabschyingen, ich will sie so in Erinnerungen behalten wie ich sie kannte.
00:11:27: Oder die Menschen im Hospiz sagen wenn Sie Hilfe brauchen können sie sich jederzeit melden.
00:11:31: bitte sagen sie Bescheid etwas was trauernden menschen aber auch so schwer fällt weil sie nicht wissen was genau sie brauchen und manchmal auch gar nicht die Kraft haben, überhaupt um Hilfe zu bitten.
00:11:43: Das heißt das vermittelt ja in der Trauer eben auch oft einfach dieses Gefühl des Alleinseins irgendwie mit allem?
00:11:50: Absolut!
00:11:51: Und das, was du jetzt gerade zitierst – das sind Beobachtungen….
00:11:57: Meine Mama ist gestorben, zwanzig-zwanzig.
00:11:59: Denn ist mein Opa gestorbend, meine Oma ist gestorbend, eine Großtante ist gestorfend.
00:12:03: Es sind im Familienkreis Eltern gestorbt.
00:12:06: Also mit einem Mahl sind so viele Menschen verstorben.
00:12:09: Eine Kollegin ist auch ganz früh noch in der Pandemie verstorbt Wo ich in unterschiedlichsten Beziehungsverhältnissen zu diesen Personen immer wieder ein und dieselben Sachen beobachten konnte Und... Auch die Nachbarin die in unserem Film sich trösten lässt und wo so eine verkehrte Welt plötzlich stattfindet.
00:12:34: Und das wollte ich sehr aktiv oder habe ich ja sehr aktiv in diese Figuren gelegt, in die Münder dieser Figuren auch wenn die Realität in meinem Leben zum sehr großen Teil anders war.
00:12:49: aber trotzdem dieses Gefühl Und damit spielt die Pandemie, in der auch ein Grundrauschen in unserem Film ist.
00:12:58: Ein sehr großen Teil hat einen sehr großen Teil daran, dass sich alles plötzlich abschottet.
00:13:10: Alles wird... Wir waren ... Der Film spielt im Airclans.
00:13:14: Ich komme aber aus dem Airclams und in der Region im Kreis Heinsberg ist ja damals Corona ausgebrochen.
00:13:20: Das heißt, die Region umgangelt im Kreise.
00:13:21: Heinsburg hatte zum ersten Mal in Deutschland damit umzugehen.
00:13:29: Das heißt, niemand weiß wo geht es hin und was passiert?
00:13:33: Und das verdoppelte mein Gefühl... Wo stehe ich?
00:13:38: Was brauche ich?
00:13:39: Wer bin ich in dem
00:13:40: Sinne?".
00:13:41: Deswegen habe ich auch aktiv in diesen Film mit aufgenommen weil ich das geführete dieser doppelte Ausnahmezustand kann Kann die Familien-Dynamiken, kann den Ausnahmezustand von Lohre noch mal verstärkt zeigen und darstellen?
00:13:58: Du hast gerade
00:13:59: die Nachbarin erwähnt.
00:14:01: Und ich habe dann glaube ich so ein Wort erfunden.
00:14:05: Ich hab geschrieben, sie hat Gedenkmüll auch abgeladen.
00:14:09: ja Er hatte so bemalte Gläser oder all solche Sachen.
00:14:15: Und das gibt es auch manchmal, dass Trauernde dann so viele Sachen geschenkt bekommen die irgendwie gut gemeint sind aber wo eigentlich vielleicht diese Nachbarin sich selber hätte eine Kerze anzünden sollen anstatt alles was in ihr drin steckt rüber zu geben Oder dass man einfach vorüberlegt, wird das gebraucht oder nicht?
00:14:44: Mir hat damals mal eine Witwe gesagt.
00:14:46: Ich kann mit diesen Büchern so Waldwege mit Sonnenaufgang am Ende... ...kann ich die Wände tapezieren ebenso weil die so viele bekommen hat mit so vielen Sprüchen auch drin.
00:15:00: und diese Sprüche können einem gut tun wenn man so philosophiert über das Leben aber in der Trauer helfen die manchmal einfach nicht weiter ist.
00:15:07: rechtlich wenn wir ihn massen Kommt so, ne?
00:15:10: Und genau.
00:15:12: Das war mir dabei auch noch mal aufgefallen.
00:15:14: und was ich an dem Film wertvoll finde ist wenn man ihn betrachtet dass man eben ja verschiedene Perspektiven bekommen, da verschiedene Leute eben so einmal auf die Lohre die trauernd ist.
00:15:30: Dann aber auch auf die Oma wo man dann vielleicht sagt ja kenne ich auch so eine habe ich auch in der Familie und dass man das von weiten noch mal betrachten kann um später nochmal zu überlegen so wo kann ich auch einfach gnädig sein?
00:15:46: Wo
00:15:47: müsste wir darauf hinarbeiten dass sowas nicht passieren darf Erkenne ich mich gerade selber drin wieder und oh Gott, das will ich gar nicht.
00:15:57: Wo braucht es jemand an der Seite, der so einen schrecklichen Pfarrer mir vom Leib hält?
00:16:07: Der im Reinkomment und Sachen haben will... Und da finde ich sind zu ganz viele Anknüpfpunkte wo man ins Gespräch gehen kann.
00:16:16: Ich glaube meine größte Erkenntnis ist Das jetzt klingt irgendwie komisch und ich sage, das haben auch alle Figuren.
00:16:25: Ich habe sie ja letztendlich geschrieben aber alle Figur trauern nur sie traueren anders.
00:16:30: Und diese Andersartigkeit, diese unterschiedlichen Rhythmen, dieser unterschiedlichen Lautstärken wie trauert jemand?
00:16:41: Ich glaube das Wichtigste ist dass wir anfangen das zu respektieren.
00:16:45: Ich
00:16:45: glaube eben, was du sagst Jacqueline oder wo wir auch oft darüber gesprochen haben, dass es eben unterschiedliche Trauertypen gibt.
00:16:51: Es gibt die, die erstmal funktionieren, die ins Handeln kommen, es gibt die Menschen, die verdrängen und es gibt Menschen, Das kann man anhand der Figuren im Film einfach auch ganz gut sehen, dass es diese unterschiedlichen Trauertypen gibt und immer nicht nur den einen.
00:17:13: Sondern manchmal sind wir auch von allen Trauertypen ein bisschen was Und das finde ich kann man da tatsächlich Einfach noch mal ganz gut seh'n.
00:17:25: die Die Schwester die wirklich verdrängt im film und sagt Ich kann das nicht ich kann mich in den alten Sachen wühlen ich kann nicht nach Hause kommen Und ich pack das einfach nicht und sagt, ich kann mir keinen Urlaub nehmen.
00:17:39: Oder eben die Oma, die verdrängt und gerne Scrabble spielt im Film und sagt ach komm jetzt lass uns doch irgendwie hier was anderes machen.
00:17:47: oder ich will jetzt gar nicht diskutieren und lasst uns doch die Trauerkarten lesen oder
00:17:51: auch...
00:17:52: Ich musste ein bisschen schmunzeln weil ich das natürlich auch kenne.
00:17:55: meine Eltern sind ja auch beide schon verstorben und ich komme ja auch vom Dorf aus dem Sauerland.
00:18:00: diese Frage nach war denn jetzt was in der Trauerkarte drin, so dass das für Menschen manchmal die entscheidendste Frage ist.
00:18:09: Hat denn jetzt jemand von den Nachbarn auch ein Schein reingelegt und nicht nur etwas geschrieben?
00:18:14: Ja
00:18:14: weil das ist Wertschätzung!
00:18:16: Genau ja
00:18:17: genau
00:18:21: ich
00:18:22: fände es so wertvoll dieser Film da würde in Fahrgemeinden gezeigt werden Der würde in Vereinen gezeigt werden.
00:18:31: Der würde Menschen erreichen, die das Thema von sich wegschieben und gleichzeitig ist immer die Gefahr dabei.
00:18:37: wenn ich das von mir weg schiebe gehe ich vielleicht in so ein Film nicht rein.
00:18:41: Als Familientrauer-Begleiter oder Trauerbegleiter überhaupt Hospizler da sieht ja tatsächlich die Welt anders aus und da gibt es eben auch diese Bestatter die mehr Möglichkeiten eröffnen.
00:18:55: wo's heller ist Wärme ist, wo Gespräch stattfinden.
00:19:00: Wo man zumindest von Bestattern und Trauregleitern aus Pizzeran nicht alleine gelassen wird.
00:19:09: Aber drumherum die Leute, die sich damit nicht beschäftigen, rasseln einfach immer wieder da rein.
00:19:16: Und im Grunde hätte ... in dem Film die Mutter und die Lore, wobei die Lore einfach so jung ist nochmal für dieses Thema.
00:19:27: Wo man ja gar nicht ahnt dass es auf einen zukommt.
00:19:30: aber hätten sie sich damit mehr beschäftigt eben auch darüber geredet auch gesagt wo liegen die Unterlagen?
00:19:38: Wie möchte ich was haben?
00:19:40: wie ist das finanziell geregelt?
00:19:43: welchen Bestatter möchte ich gerne
00:19:44: haben?
00:19:45: dann wären ja manche Sachen leichter gefallen.
00:19:50: Es gibt eben die Leute, die sich heute auch dank Trauerarbeit wirklich abgeholt fühlen.
00:19:56: Und es gibt ganz viele, die machen die Schotten dicht und lassen das einfach nicht an sich ran.
00:20:04: Dann ist es so wie ich dann immer wieder sage du musst die Telefonnummer vom Bestatter von gutem Bestatter im Handy abgespeichert haben Weil wenn du zum Bestatter gehst, dann ist das so ein bisschen wie wenn du einen Kind kriegst und Presswähnen hast.
00:20:18: Und da gehst du ins Krankenhaus und sagst ich hätte gerne unter Wasser geburt und dann sagen die aber eine Badewanne haben wir hier nicht.
00:20:25: Dann kannst du unter Presswänen nicht mehr weg.
00:20:28: doch Du kannst doch.
00:20:28: Aber du wirst es nicht machen.
00:20:30: Kannst dich weggehen?
00:20:31: Wenn du einmal beim Bestatter landest du weißt überhaupt nicht was ist gut oder was ist schlechter.
00:20:37: Du weißt ja gar nicht verkaufte dir hier etwas überteuertes.
00:20:43: macht eine gute Arbeit, ne ordentliche Arbeit und dann kommst du in so eine Falle einfach rein.
00:20:51: Und da degießt der Film auch noch mal.
00:20:54: wichtig aufzuzeigen wie wichtig da eben den Blick vorher drauf ist.
00:21:01: genau.
00:21:03: Es gibt ja auch eine Szene Jacqueline im Filmen.
00:21:05: Da fragt die Lore bleibt das jetzt für immer so?
00:21:07: Ist ein Gespräch mit einer Freundin glaube ich von ihr?
00:21:09: und Die Freundin sagt nein Das bleibt nicht immer so, aber es wird auch nicht mehr so wie's mal war.
00:21:19: Hast du das Gefühl dass sich deine Trauer in all den Jahren jetzt wo deine Mutter gestorben ist?
00:21:25: Vielleicht auch durch den Film, durch das Machen des Films hast du das gefühlt, dass sich da was verändert hat?
00:21:32: Ich glaube oder ich spüre es verändert sich.
00:21:38: die Trauer um meine Mama verändert sich bei einfach Zeit, weil einfach sehr viel Zeit dazwischen liegt und immer mehr Zeit sozusagen vorbeigeht.
00:21:55: Gestern habe ich mir die Bilder angeguckt von meinem ersten Geburtstag den ich verbracht habe ohne meine Mama Und ich bin da drauf mit Kuchen und mit allem und ich lächel und es gibt so viele unterschiedliche Szenarien die da festgehalten wurden dieses Daruf, die Person nicht mehr an, die dich bedingungslos liebt.
00:22:21: Meine Mama hat mich manchmal mehrmals am Tag angerufen, die absolut neugierig war, die ihr wissen wollte was ich mache und wie es mir geht und wer kommt und was ist so und so passiert.
00:22:30: und plötzlich existiert das nicht mehr.
00:22:32: Und es wird nicht ersetzt durch irgendwelchen.
00:22:34: Es kann gar nicht ersetzen werden durch irgendwie.
00:22:37: Dieses Gefühl habe ich immer und immer in meinen Geburtstagen beispielsweise gehabt.
00:22:43: Da fehlt einfach ein Anruf, da fehlt eine Person.
00:22:47: Da fehlt eine Verbindung.
00:22:49: aber das verändert sich hat sich in den letzten Jahren verändert in den Geburtstag bei mir dass es nicht mehr so essentiell geworden ist.
00:23:00: also ich merke immer schon... Also es gibt wenn ich auf mein Geburtstag zugehe auf den Todestag meiner Mama und auf ihren Geburtstage diese drei Tage, dann merk ich, werde ich so ganz...
00:23:19: Dünn heute?
00:23:20: Ja.
00:23:21: Ich bin dann ganz dünn heutig.
00:23:23: Ich nehme Sachen vielleicht viel ernster als sonst oder ich bin ... Oder nehmen es mir viel zu sehr zu herzen und dann merke ich ah da findet irgendwie oder für mich ist das zumindest eine Verbindung mit meiner Mama statt oder ja mit ihr Obwohl man ja schon sechs Jahre tot ist.
00:23:45: Also das existiert, aber es verändert sich.
00:23:50: Ich möchte nicht sagen, dass es schwächer wird, weil ... Es ist irgendwie nicht das richtige Wort.
00:23:57: Ja?
00:23:58: Die Antwort ist ja!
00:24:03: Ich denke auf jeden Fall, dass wirklich ein
00:24:06: Film
00:24:06: ist, wo man gut in Gespräche kommen kann und sich gut im Person angucken kann Und eben so wie du es auch gesagt hast, sagen kann.
00:24:18: Aber das haben wir ganz anders erlebt und dankbar darüber sein zu können.
00:24:22: oder dass man sagt So war das bei uns auf und so möchte ich das mal nicht nochmal haben.
00:24:27: Oder ich sehe jetzt erkennt mich da drin vielleicht auch in so alleine Alleine und einsam und so soll es anderen eben nicht gehen?
00:24:37: Das ist ja auch eine Idee von dir da drinnen.
00:24:42: Ich hatte mir so ganz viele Punkte dazu aufgeschrieben.
00:24:45: Aber
00:24:47: eben auch, dass wenn Hospize sich diesen Film anschauen, also Mitarbeiter aus dem Hospiz, dass sie dann vielleicht für sich erkennen, ah da arbeiten wir ganz anders oder das Sie vielleicht merken, so geht es uns eigentlich auch.
00:25:01: Denn da sagt die Hospiz darin ich gehe mal rein du wartest draußen und Da steht die Lore dann alleine draußen und steht eigentlich einsam da.
00:25:12: Die Lore hat neben der Mama geschlafen, als sie gestorben ist.
00:25:16: Und jetzt soll sie auf einmal draußen bleiben so, ne?
00:25:21: Da sich sowas auch so selbstreflektierend nochmal anzugucken und eben zu sagen, nee, so arbeiten wir nicht.
00:25:28: oder ah okay, da erkenne ich auch etwas wieder was ich noch ausbessern kann.
00:25:36: Ich weiß noch, da kam eine Person mal zu mir nach Emscreening und hat gesagt, das würde niemals im Hospiz-Kontext passieren.
00:25:42: Dass die Person, die die Hospiz Angestellte sagt, wenn du noch was brauchst oder ich gehe schon... Das war der Moment, dass sie dann die alleine lässt und dann geht's sie.
00:25:59: Also es gibt ja auch künstlerische Entscheidungen, die ich getroffen habe wo ich einen Wo ich diesem Film und dieser Figur folge, wo ich jetzt vielleicht nicht allen Personen gerecht werde.
00:26:14: Das sowieso nicht!
00:26:15: Aber was ich damit sagen möchte ist... Ich zum Beispiel meine Mama ist ja in einem Hospiz verstorben.
00:26:28: Ohne dieses Hospiz und all die Angestellten hätten wir das niemals geschafft.
00:26:33: Wir sind alle berufstätig.
00:26:37: Meine Mama hat da drei Monate verbringen können, wurde ums Sorg und umpflegt, bekocht.
00:26:46: Das hätte ich niemals geschafft.
00:26:49: Und trotzdem gibt es Beobachtungen, die dann einfließen, die vielleicht auch aus ganz anderen Situationsbedingt entstanden sind.
00:27:00: Aber ja, ist ja auch das sich daran stoßen?
00:27:05: Auch das Richtige ... Machen wir das eigentlich auch so?
00:27:09: Wollen wir es eigentlich so machen oder machen das eigentlich ganz anders.
00:27:13: Genau, ich glaube das ist das was du an anderer Stelle auch schon mal gesagt hast Jacqueline dass man manche Dinge vielleicht nicht unbedingt bewertet als Das ist gut, das ist schlecht So macht man's oder so macht man sie nicht sondern Genau so eben, wie du es dir wünscht in einen Dialog kommt und darüber ins Gespräch kommt.
00:27:32: Und ich glaube das ist ein bisschen das, was du auch gesagt hast, warum das eben wertvoll ist, darüber ins gespräch zu kommen sich die einzelnen Themen von einem Sterbeprozess und der Trauer einfach mal anzugucken Einfach mal vielleicht auch bei einer Tüte Popcorn oder nach dem Film einfach, vielleicht auch mal beim Glas Wein genau über solche Themen eben ins Gespräch kommt.
00:27:59: Deswegen Jacqueline danke dir das du Zeit hattest für uns.
00:28:04: Danke dir dass du diesen film gemacht hast eine persönliche Geschichte zwar auch fiktional und anders erzählt hast aber ja durch diesen film vielleicht Menschen ein Raum bekommen, darüber ins Gespräch zu kommen.
00:28:22: So wie wir das heute gemacht haben.
00:28:23: also vielen herzlichen Dank!
00:28:27: Ja ich danke euch auch dass ihr so viele unterschiedliche Geschichten persönlichen geschichten raum gebt beziehungsweise sichtbarkeit verschafft durch eure podcast und dass ihr mich eingeladen habt und ich freue mich ja einen teil davon Ein kleiner, kleiner Teil davon sein zu können.
00:28:50: Vielen Dank!
00:28:52: Gerne alles Gute und ja auch an die Hörer und Hörerin wenn ihr eine Rückmeldung geben mögt zu dem Film Wenn ihr Fragen habt, wenn ihr auch weitere Themen habt für uns.
00:29:06: wir freuen uns immer wieder über Rückmeltungen.
00:29:09: Genau macht's gut bis zum nächsten Mal.
00:29:11: Todesmutig ist ein Podcast von Mächthildschröter Rupiper Produziert im Lavia-Haus für Familien Trauerbegleitung in Gelsenkirchen.
00:29:22: Habt ihr Wünsche über welches Thema wir in einer der nächsten Folgen sprechen sollen, dann schreibt uns gerne über Instagram!
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